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Religionsunterricht in den Schulen-  heute noch notwendig und sinnvoll??In Luxemburg wurde jetzt das Unterrichtsfach „Religion“ in allen staatlichen Schulen gestrichen. Auch in Deutschland gibt es immer wieder Diskussionen um Sinn und Zweck des Religionsunterrichts. Eine Umfrage der evangelischen Landeskirche in Bayern Anfang 2018 zeigte, dass immerhin 25 % der Bayern ab 18 Jahren den Reli- gionsunterricht ablehnen Eine online Umfrage des Meinungsfor- schungsinstituts YouGov erbrachte gar, dass mehr als zwei Drittel der Deutschen für eine Abschaffung des Religionsunterrichts und stattdessen für einen allgemeinen Werteunterricht sind. Von 12 Millionen Schülerinnen und Schülern in Deutschland besu- chen rund 4 Millionen den katholischen Religionsunterricht. 70.000  Religionspädagogen unterrichten dieses Fach Woche für Woche. Laut Grundgesetz ist der Religionsunterricht außer in bekenntnis- freien Schulen ein ordentliches Lehrfach. Dies verwundert zunächst, ist unsere Demokratie doch der Trennung von Staat und Kirche ver- pflichtet – Nährstoff auch für die aktuelle Kreuzdiskussion in Bay- ern.  Aus den Erfahrungen der Vergangenheit hat sich der Staat zur Neut- ralität in Glaubensfragen verpflichtet. Wegen dieser Neutralität nimmt er auch die Religionsgemeinschaften in die Pflicht, um sei- nem umfassenden Erziehungs- und Bildungsauftrag nachzukom- men. Der Religionspädagoge Rudolf Englert (Professor für Religionspä- dagogik Universität Duisburg-Essen) sieht im Religionsunterricht eine Chance, jungen Menschen auch in Glaubensfragen eine Orien- tierung zu geben. Dabei geht es nach seinen Worten nicht um die Rekrutierung oder Indoktrinierung von Gläubigen. Die zentrale Aufgabenstellung ist keinesfalls eine Festigung des Glaubens son- dern vielmehr soll die Orientierungsfähigkeit, aber auch die religiö- se Pluralitätsfähigkeit, der Schüler gefördert werden. Natürlich geht es dabei auch um Hintergrund und Tradition der jeweiligen Religion - darüber hinaus aber vor allem um lebensnahe ethische und exis- tenzielle Fragen.  Ministerpräsident Kretschmann aus Baden-Württemberg betont so- gar: Religionsunterricht ist wichtiger denn je. Im Religionsunter- richt können Kinder und Jugendliche ihre eigene religiöse Orientie- rung und Haltung finden, formulieren und festigen. Sie können ver- schiedene religiöse Lebensentwürfe erleben und hinterfragen, können Respekt und Wertschätzung gegenüber lernen. Denn wer selbst eine Überzeugung hat und sich in dieser res- pektiert erfahren darf, der bringt auch leichter Respekt gegenüber anderen Überzeugungen auf. Dem gesellschaftlichen Zusammenhalt kann das nur gut tun.  Der deutsche Katecheten Verein als größter katholischer Fachver- band für religiöse Bildung hat jetzt eine Medienkampagnen initiiert, um qualifizierten Religionsunterricht nicht nur an den Schulen zu halten, sondern zu fördern. Dabei werden zum Teil durchaus provo- kante Bildmotive als Postkarten und Plakate publiziert. Tobias Weismantel, Geschäftsführer der dkv Bundesgeschäftsstelle: „Jedes Motiv mit dem dazugehörigen Spruch irritiert und verweist gleichzeitig auf die Themen, die im Religionsunterricht behandelt werden.“ Man will 20 bis 40-jährige erreichen und zum eigenen Nachdenken anregen, die vor der Frage stehen, ob sie ihre Kinder in den Religionsunterricht schicken wollen. Ziel dieser Maßnahme ist es, die Bedeutung und den Wert des Religionsunterrichts nicht nur für die Glaubensweitergabe sondern vor allem für die Gesellschaft und ihr Zusammenleben zu betonen. Auch Altbundespräsident Gauck betont: „Eine religiös plurale Ge- sellschaft braucht religiöse Bildung und religiöses Wissen. Was wir tun sollen, was wir hoffen dürfen und was wir sind- das sind (auch) religiöse Fragen.“  Zum Thema: Klaus Vollmuth, Religionslehrer 
 vergrößern Ich unterrichte seit vielen Jahren Religion und Sport- beide Fächer gelten also sogenannte Nebenfä- cher. Immer wieder gibt es Dis- kussionen, ob diese Fächer noch  in den Schulunterricht gehören. Meines Erachtens sind beide Fächer für die Heranwachsenden heute wichtiger denn je. Mediziner warnen bereits davor, dass wie in den USA, die Lebenserwartung zurückgeht, weil die Menschen sich von Jugend an zu wenig bewegen und den gesunden Bezug zu ihrem Körper verlieren.  Zum anderen werden  bereits Kinder und Jugendliche von einer Flut unterschiedlicher Informationen überrollt. Um hier nicht die Orientierung zu verlieren, bedarf es einer inneren Haltung. Natürlich ist das Fach Religion heute auch ein Lernfach wie jedes andere auch. Doch hier werden Lebensfragen behandelt, die in keinem anderen Schulfach auftauchen. Darüber hinaus werden die Schüler mit  religiösen Fakten und historischen Hintergründen ihrer Kirche vertraut gemacht. Man erlebt heute, dass junge Menschen nicht mehr um den eigentlichen Anlass christlicher Feste wie Weihnachten und Ostern wissen. Und nicht zuletzt soll vermittelt werden, dass »Glauben« etwas mit Vertrauen zu tun hat und dass Glaube  nicht nur etwas »Religiöses« ist, sondern dass ein Glauben uns im täglichen Leben ständig begleitet. Für mich ist Religionspädagogik weitaus mehr als nur Ethikunterricht. Die Heranwachsenden lernen die Auseinandersetzung mit Lebensproblemen und den Stellenwert einer christlichen inneren Haltung. Dazu gehört vor allem auch die Kenntnis und Achtung anderer religiöser Einstellungen. Und die Benotung der Schüler richtet sich nicht nach deren Frömmigkeit sondern nach ihrer Bereitschaft, sich den Problemen der jeweiligen Altersgruppe zu stellen. Mich ermutigen immer wieder Schulstunden, in denen - wie in der aktuellen Kreuzdiskussion - alle Schüler engagiert ihre Meinung einbringen. Ich halte den Religionsunterricht aus diesen Gründen weiterhin für wichtig und unverzichtbar.  khg  
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