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Gemeinde feiert ein besonderes Fest im Kirchenjahr – Die Tradition des Fronleichnamsfestes ist einfach schön. Selbst wenn wir in den letzten Jahren auch hier immer weniger werden: Es tut gut, gemeinsam auf die Straßen unsres Ortes zu ziehen, mit Fahnen, Blasmusik, Liedern, Blumen. Und dabei Jesus in unsrer Mitte zu wissen, ihn sichtbar mit- und hinauszutragen in unser Dorf. Die Tradition des Fronleichnamsfestes ist einfach schön. Wenn es aber nur bei einer schönen Tradition bleibt oder wenn diese sogar zu einer frommen Pflichtübung verkommt, dann haben wir das eigentlich Schöne dieses Tages verloren! Es geht heute eben nicht um einen einmaligen Fest- und Feiertag im Jahr, wo wir mal so richtig katholisch sind. Der heutige Tag will uns vielmehr darin bestärken, immer wieder neu mutig und freudig unser alltägliches Fronleichnam zu begehen: Dass wir selbst zur Monstranz für IHN werden, so dass andere IHN sehen, ja sogar berühren können.Zugegeben: Das ist ein hoher Anspruch. Aber hat Jesus die Latte nicht genau so hoch gehängt, als er seinen Jüngerinnen und Jüngern auftrug, so zu handeln, wie er gehandelt hat? Daher ist es gerade heute gut, wenn wir uns fragen und uns anfragen lassen: Können die Menschen um mich herum Jesus entdecken? Können sie sein Handeln, seine Liebe durch mich spüren? Bin ich wirklich Christusträger, Christusträgerin - oder trage ich nur seinen Namen? Genau darum geht es. Nicht nur heute. Dass ich eine lebendige Monstranz bin, dass wir lebendige Christus-zu-den-Menschen-Träger sind.Und das dürfen dann nicht nur schöne, fromme Worte bleiben! Aber natürlich dürfen es auch fromme, schöne Worte sein: Dass wir anderen tatsächlich von unsrem Glauben erzählen, von unsrer Hoffnung, von dem, was uns erfüllt. Aber auch jedes gute Wort zum anderen, jeder liebevolle Blick, jedes versöhnende Gespräch, jeder unerwartete Anruf, jedes von mir geschenkte Ansehen. Vor allem, wenn es denen gilt, von denen ich selbst nichts zu erwarten habe. Und denen, die von sonst niemandem etwas zu erwarten haben. Das ist: Christus zu den Menschen tragen.Und jede hilfreiche Hand, die ich reiche. Ganz praktisch darf es sein: die Einkaufstasche, die ich ins Haus der Nachbarin trage, die sich so schwer tut beim Laufen. Dem Mitschüler, dem ich Mathe nochmal erkläre, weil er wieder nichts verstanden hat. Das Brötchen, das ich dem bettelnden Mann in der Kesslergasse beim Bäcker ums Eck kaufe. Die Zwei-Euro-zehn, die ich aus meinem Geldbeutel krame, weil sie der Frau vor mir an der Kasse fehlen. Und den gestressten Mann, den ich dann noch in der Reihe vorlasse. Ich hab doch genug Zeit. Das ist: Christus zu den Menschen tragen.Ja, genau darum geht es. Heute. Und morgen auch. Dass ich eine lebendige Monstranz bin, dass wir lebendige Christus-zu-den-Menschen-Träger sind. Und gerade dann, wenn uns keine Blasmusik und Blumen streuende Kinder bei Sonnenschein durch die Straßen begleiten. Sondern wenn es donnert und blitzt und wir allein im Regen stehen. Dass ich mich einmische, wo mein Wort und meine Tat als Christin und Christ gefragt sind. Dass ich die Diskussion nicht scheue, wo wieder gegen Ausländer gehetzt wird und gegen Hartz-IV-Empfänger. Dass ich Rede und Antwort stehe und entschieden handle.Christus zu den Menschen tragen, liebe Schwestern, lieber Brüder. Genau dafür wollen wir heute Kraft tanken, wenn wir Eucharistie feiern, wenn wir uns seinen Leib einverleiben und wenn wir IHN hinaus in unser Dorf tragen. „Wer mein Fleisch isst und mein Blut trinkt, der bleibt in mir, und ich bleibe in ihm.“ So verspricht Jesus. Mit ihm verbunden können wir handeln wie er. Wenn wir also aus dieser Feier leben, wenn wir so Christusträgerinnen und Christusträger werden, können wir auch den Wandel, der sich in jeder Hl. Messe vollzieht, hinaustragen in die Welt.Möge die schöne Tradition des Fronleichnamsfestes dafür heute Herz und Sinn neu aufschließen. Damit das, was wir heute tun, nie zu einer frommen Pflichtübung verkommen mag, sondern deinen und meinen ganzen Alltag prägt: Dass ich eine lebendige Monstranz bin, dass wir lebendige Christus-zu-den-Menschen-Träger sind.
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